Als generelles Mehrkörpersimulationsprogramm ist
RecurDyn sehr gut für die Ventiltriebsimulation von Motoren geeignet.
Zielsetzung ist hierbei die Abbildung der Ventiltriebdynamik, insbesondere die
Erfassung von Ventiltriebschwingungen, die zu einer Herabsetzung der
Grenzdrehzahl, einer Verschlechterung des Ladungswechsels und zu entsprechender
Geräuschbildung mit hohem Verschleiß führen.
Die
Ventiltriebschwingungen werden in der Regel durch folgende Parameter angeregt,
die bei einer rein kinematischen Betrachtungsweise nicht berücksichtigt
werden. Hierzu gehören im wesentlichen Drehzahlschwankungen an der Nockenwelle
(Anregungen vom Steuertrieb über Kette, Riemen oder Zahnräder und Torsionsschwingungen
in der Welle), Bauteilelastizitäten (Hebelsteifigkeiten, Biegung und Torsion),
sowie die Dynamik der Ventilfedern und der hydraulischen Spielausgleichselemente
(HVA – Elemente).
Die aus den dynamischen
Vorgängen resultierenden höheren Kräfte, können nach der Simulation mit
RecurDyn für die Auslegung der Ventiltriebskomponenten (z.B.
Kipphebelkonstruktion) verwendet werden.
RecurDyn bietet für die
Erfassung der Ventiltriebsdynamik unterschiedliche Detaillierungstiefen für die
einzelnen Modellierungselemente. Hierdurch lassen sich beispielweise in der
Konzeptphase grundsätzliche Tendenzen schnell ableiten und Parameterstudien
durchführen. Das Simulationsmodell bleibt überschaubar und vor allem
nachvollziehbar. So lässt sich beispielweise die erste Biegeeigenfrequenz eines
Kipphebels sehr gut durch eine einfache Torsionsfeder bzw. Torsionsdämpfer
darstellen, da die höheren Biegeschwingungen in der Regel ohnehin außerhalb des
Anregungsspektrums des Ventiltriebes liegen. Für weitergehende Fragestellungen
(z.B. Spannungsverlauf im Kipphebel unter dynamischer Belastung) oder mehrdimensionaler
Verformung, kann dann das einfache Kipphebelmodell durch einen flexiblen Körper
ersetzt werden.
Die folgenden Einflüsse
lassen sich mit RecurDyn sehr schnell erfassen:
Bauteilsteifigkeiten:
Kipphebel- /
Schlepphebelschwingungen:
Vorteil: Einfache Erfassung der statischen
Biegsteifigkeit und der ersten Biegeschwingung. Ausreichend für viele
Anwendungen. Gut geeignet für Parameterstudien und in der Konzeptphase.
Nachteil:
Biegesteifigkeit muss aus Messung/Versuch ermittelt werden. Dynamik wird
aufgrund der angenäherten Masseverteilung nicht exakt erfasst.
Vorteil: Genauere Erfassung der Biegelinie auch bei mehrdimensionaler Beanspruchung und Verformung.
Genauere Abbildung der Schwingformen durch eine
exaktere Masseverteilung bei der Berechnung der Eigenformen. Möglichkeit der Spannungsberechnung.
Nachteil:
FE - Modell muss erstellt werden. RecurDyn bietet hierbei Schnittstellen zu
ANSYS, MSC.NASTRAN, IDEAS. Parameterstudien sind nicht einfach durchführbar.
Für
die Simulation der Längsdehnung bzw. Stauchung von Ventilen und Stößelstangen
steht jeweils ein Mehrmassenmodell mit translatorischen Steifigkeiten zur
Verfügung. Die Abbildung der Biegeelastizität erfolgt über flexible Körper
(Balkenelemente von RecurDyn oder flexible Körper aus FE – Programmen). Durch
die Berücksichtigung der Elastizitäten lässt sich z.B. die Ventilschaftbiegung
durch Querkräfte (Reibungseinflüsse) erfassen oder das Ventilaufsetzen
detaillierter analysieren.
Nockenwellendrehschwingungen
/ Nockenwellenbiegung:
Bei
der Simulation des Gesamtventiltriebes können Nockenwellenelastizitäten
berücksichtigt werden. Bei einer Drehschwingungsanalyse wird die Nockenwelle
als Mehrmasseschwinger mit Torsionsfeder bzw. Torsionsdämpferelementen
diskretisiert. Die Erfassung von mehrdimensionaler Verformung wie zusätzlichen
Biegeeinflüssen erfolgt über flexible Körper (Balkenelemente von RecurDyn oder
flexible Körper aus FE – Programmen). In diesem Zusammenhang können
Lagerdeformationen und Lagerspiel berücksichtigt werden.
Kontaktelemente:
RecurDyn bietet als generelles Mehrkörpersimulationsprogramm
eine vollständige Bibliothek von kinematischen Verbindungselementen an. Alle Gelenke und Kurvenkontakte können
Reibung beinhalten.
Für die Berücksichtigung
einer Kontaktdynamik mit Steifigkeit, Dämpfung, Spiel und der Simulation eines
möglichen Kontaktverlustes (Abheben) stehen besondere 2D und 3D Kontaktelemente
zur Verfügung.
Die Kontaktparameter,
Steifigkeit, Dämpfung, und Reibung
hierbei linear, oder als nicht-lineare Funktionen definiert werden. Auch
die Vorgabe von Kennlinien ist hierbei möglich.
Federdynamik:
Die Ventilfeder kann als
einfaches lineares Element, über eine nicht-lineare Kennlinie oder auch als
Mehrmasseschwinger mit Kontaktelementen und Windungsschlagen definiert
werden.
Antriebe / Anregungen:
Als Antrieb für die
Nockenwelle können einfache kinematische Funktionen (konstante Drehzahl,
Drehzahlhochlauf, Fourierreihen,...) oder aber auch gemessene Werte über
Kennlinie und Tabellen (Drehzahlschwankungen, Drehmomentverläufe) vorgegeben
werden.
Ausgabe:
Als Mehrkörpersimulationssystem berechnet RecurDyn
automatisch alle Bewegungsgrößen (Positionen, Winkel, Geschwindigkeiten,
Beschleunigungen) sowie alle sich im System ergebenden Kräfte (Ventilfeder,
Kontaktkräfte, Drehmomentverläufe, ...).
Über
die Möglichkeit der Definition von sogenannten Request, kann der Anwender aber
auch jede beliebige Ausgabegröße anfordern, die sich aus den oben genannten
Größen ableitet. RecurDyn gibt auch die Möglichkeit, eigene C++ oder Fortranroutinen
anzubinden (User Requests).
Grundsätzlich kann jedes
beliebige Ventiltriebskonzept mit RecurDyn erstellt werden, da sich mit der
graphischen Benutzeroberfläche Körper (starr, elastisch) frei anordnen lassen
und mit den verschiedenen Verbindungselementen (Gelenke, Kontakte, Federn,...)
beliebig verknüpft werden können.
Um den Einstieg zu
erleichtern, stehen parametrierte Grundmodelle für die gängigen
Ventiltriebskonzepte zur Verfügung (Kipphebel, Schlepphebel, Tassenstößel,
...), die aber leicht vom Anwender variiert und beispielsweise zu Systemen mit
variabler Ventilsteuerung (VVT) ausgebaut werden können.
Da der Einsatz von
RecurDyn auf die Ventiltriebsdynamik fokussiert, kommt der Verbindung zu einem
Kinematikauslegungsprogramm eine besondere Bedeutung zu.
In der Prozesskette kann
in Verbindung mit CDS folgender
Entwicklungsablauf dargestellt werden:
CDS:
Auslegung der Ventiltriebskinematik
bezüglich Geometrie, Grenzdrehzahl, Federsteifigkeiten, etc. und Berechnung
der zugehörigen Nockenkontur auf Basis der Ventilbeschleunigung. Übergabe
der Geometrieparameter und Nockenkontur an RecurDyn.
RecurDyn:
Für das Interface zu CDS
werden speziell parametrierte, bereits aber dynamische Ventiltriebsmodelle zur
Verfügung gestellt. Die Parametrierung in RecurDyn bei diesen Modellen basiert
auf den vergleichbaren Geometrieparametern wie in CDS, so dass im Interface-File
lediglich dieser Parameterdatensatz und das Nockenprofil – File ausgetauscht
werden muss. Hierdurch entfällt die Doppelarbeit, das RecurDyn Modell manuell
aufbauen zu müssen. Auf der Seite von RecurDyn erfolgt nun die dynamische
Berechnung des Ventiltriebkonzeptes bzw. wenn notwendig, die Erweiterung des
Modells (Einbau eines flexiblen Körpers etc.). Für den Fall, dass die
Ventiltriebsdynamik Probleme aufzeigt, die möglicherweise einfacher durch
Änderung der Ventiltriebskinematik (z.B. andere Nockenkontur) behoben werden
kann, steht eine „Update“ Möglichkeit zur Verfügung, die gezielt nur die neuen
Parameter austauscht, ohne dass das Dynamikmodell wieder von Neuem begonnen
werden muss.

Geometrie- parameter, Nockenprofil Dynamische Ventilbe-schleunigungg
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RecurDyn verfügt über
eine sehr effiziente Substrukturtechnik, die es ermöglicht, durch n - faches
Referenzieren eines Einzeltriebes (=Substruktur) das Gesamtsystem zu erstellen.
Ein Update des Gesamtsystems ist auch in Verbindung mit CDS möglich. In diesem
Zusammenhang kann beispielsweise der Ventiltrieb auch mit dem Steuerkettentrieb
verbunden werden.
